am 14.11.2018 in der Prälat-Diehl-Schule Groß-Gerau

Auf Einladung des Fachbereichs I der Prälat-Diehl-Schule Groß-Gerau hielt Herr Dr. Kuhmann in der Aula der Oberstufe der Prälat-Diehl-Schule für Lehrende der verschiedenen Schulformen und andere Interessierte einen Vortrag, der sowohl Grundlagen von Handschriftlichkeit als auch Entwicklungswege und die Leistung einer verbundenen Handschrift für das persönliche Lernen in den Fokus der Aufmerksamkeit rückte.

Schreiben mit der Hand unterscheidet sich deutlich vom Schreiben auf Tastaturen oder Bildschirmen. Während die motorischen Fähigkeiten, die zum Bedienen von Tastaturen notwendig sind, keine positiven Auswirkungen auf das motorische Gedächtnis von Lernenden haben, können beim Schreiben mit der Hand sowohl positive Effekte für das Entwickeln von motorischen Fähigkeiten als auch für das Lernen und für damit verbundene Merkprozesse festgestellt werden. Schreiben mit der Hand ist demnach tatsächlich ein ganzheitlicher Prozess, der Lernprozesse positiv beeinflusst. Der mittlerweile oftmals geforderte Umschwung auf vereinfachte Formen des Schreiblernens oder gar des Verzichts auf Papier und Stift zugunsten von digitalen Formen des Schreibens kann das Lernen im oben genannten Sinn nachweislich nicht im selben Maß positiv befördern.

An dieser Stelle setzen die Arbeitsergebnisse der Schreibforschung an, die im Vortrag von Dr. Kuhmann vorgestellt wurden. Beim Erlernen des Schreibens mit der Hand ist zunächst wichtig festzustellen, dass man von verschiedenen Grundebenen ausgehen muss. Die Verstehensleistung bei der schriftlichen Wiedergabe von Texten ist nicht gleich der Schreibbewegung und deren Erlernen und gewünschten Automatisierung, die dann im Endergebnis erst ein flüssiges und sicheres sowie schnelles Schreiben ermöglicht. Ein Wort, das ich sicher sprechen und buchstabieren kann, auch sicher schreiben zu können, muss demnach erst trainiert werden.

Hier gilt es, ähnlich wie beim Erlernen jeder komplexeren Tätigkeit mit der Hand ein motorisches Gedächtnis zu entwickeln, das die notwendigen komplexen Bewegungsabläufe für das Schreiben mit der Hand automatisiert – verständlicherweise müsste sonst jeder Schreibprozess, auch gedanklich, immer wieder bei den einfachsten Ausgangsschritten der Wortzusammensetzung beginnen.

An dieser Stelle setzen die Überlegungen an, was verschiedene Formen von Handschrift in diesem Bereich leisten können. Dr. Kuhmann präsentierte in seinem Vortrag verschiedene im schulischen Lernen vermittelte Handschriften wie die lateinische Ausgangsschrift als sehr verbundene Schreibform an einem Ende und eine Art vereinfachter druckschriftähnlicher Form, die Grundschrift, am anderen Ende des Spektrums. Der Vortrag zeigte dabei deutlich, dass eine Wechselwirkung von Form des Geschriebenen und der Sicherung des Inhalts auch durch das Bild des geschriebenen Produkts besteht. Eine sichere Schreibbewegung fördert auch die „innere Form“ des zu Schreibenden. Daher lässt sich beobachten, dass Schreibende, die dies sicher und mit einer flüssig verbundenen Handschrift in einer dann höheren Schreibgeschwindigkeit leisten können, im Endeffekt nicht nur weniger Fehler beim Schreiben machen, sondern auch tatsächlich in der Regel in der Lage sind weiter reichende Inhalte zu verfassen.

Auf dem Weg zum so angestrebten automatisierten Schreiben kann das Erlernen und Einüben einer verbundenen Handschrift deutlichere Hilfen für Lernende zur Verfügung stellen, als dies andere Schriftformen tun. Schreibanfänger müssen laut Dr. Kuhmann Wörter vor dem Schreiben erst in gewisser Weise „programmieren“, ein geschriebener Buchstabe ist dabei noch ein graphisches Einzelphänomen. Schreiten die Fähigkeiten weiter fort, verlagert sich die Konzentration zunehmend auf die Silbenebene und größere zu schreibende Einheiten, deren Zuordnung und Nutzung durch das verbundene Schreiben sicherer geschieht und befördert werden kann als durch andere Formen des Schreibens, eben durch das Trainieren und Erweitern der flüssigen Darstellung von einfachen Wörtern hin zur sicheren Anwendung der Schreibfähigkeiten in komplexer werdenden Texten.

Für den Schreibunterricht in der Schule ergibt sich daraus laut Dr. Kuhmann die Notwendigkeit Kinder vielfältig zum sicheren und schnellen Schreiben anzuregen, was durch eine verbundene Handschrift, wie gezeigt, sicherer geleistet werden kann als durch die ausschließliche Begegnung mit Formen von Druckschrift beim Lese- und Schreiblernen. Vereinfacht gesagt, ist es wichtig, das flüssige verbundene Schreiben zu befördern, da somit ein höherer Grad der Automatisierung beim Schreiben gewährleistet werden kann, komplexe Inhalte werden auf diese Weise ebenfalls eher ermöglicht, da das Zusammenspiel zwischen Schreib- und Ideenfluss nicht auseinandergerissen wird.

Will Schule also das Erlernen eines sicheren, flüssigen und schnellen Schreibens, letztlich auch zur positiven Entwicklung auf der inhaltlichen Ebene des Geschriebenen erreichen, muss dies gründlich und gezielt geübt werden, ein einfaches Ersetzen dieser Lern- und Übungsprozesse durch vereinfachende Formen des Schriftlernens ist in dieser Hinsicht daher nicht nur nicht zielführend, sondern behindert effektiv große Bereiche eines späteren erfolgreichen Beherrschens von Schrift sowohl auf der motorisch-graphischen als auch auf der inhaltlichen Ebene.

Als Konsequenz aus den beschriebenen Faktoren wird sich die Prälat-Diehl-Schule auch weiterhin um diesen Bereich bemühen und das Trainieren einer verbundenen Handschrift bei ihren Schülerinnen und Schülern zu einem Ziel vor allem des Deutschunterrichts machen. Spezielle Projekte wie der „Tag der Handschrift“ für die Klassen am 15. Januar nächsten Jahres und die Präsentation der dort hergestellten Arbeiten am Tag der offenen Tür werden dabei die unterrichtliche Arbeit begleiten und unterstützen.