Der Beamer läuft, Laptop, Lautsprecher, Mikrofon und Kamera sind aufgestellt: technisches Gerät, um eine Liveschaltung nach Nagasaki zu ermöglichen. Vor der Kamera Abiturientinnen und Abiturienten der Religions- und Ethikkurse der Prälat-Diehl-Schule, auf der Leinwand Überlebende der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki. So kam am vergangenen Dienstag mit der Hilfe der Übersetzerin, Frau Yoko Ikeda, ein Gespräch quer über die Erdkugel zustande, das tiefen Eindruck gemacht hat. Die Schülerinnen und Schüler hatten sich umfangreich vorbereitet und einen Fragenkatalog an die fast achtzigjährige Michiko Harada – beim Abwurf sechs Jahre alt – erstellt, der z.B. Folgendes beinhaltete:

  • Welche Bilder haben Sie vor Augen, wenn man über den Atombombenabwurf spricht?
  • Welche Gefühle, Emotionen, Symptome beherrschten Sie unmittelbar nach dem Atombombenabwurf?
  • Wusste man eigentlich, was passiert ist?
  • Wie sind Sie mit der Situation umgegangen? Gab es Ärzte?
  • Flüchteten die Menschen oder begann sofort der Wiederaufbau?
  • Wussten die Menschen, wie sie sich im Fall eines Atomschlags verhalten sollen?
  • Wurde das Geschehen von der japanischen Bevölkerung aufgearbeitet oder vergessen/verdrängt?
  • Wie lang hat es gedauert, bis man wieder normal leben konnte? Wie wurden Hibakusha (Überlebende) behandelt?

Der Austausch ging wegen der nötigen Übersetzungszeit nur stockend voran. Aber allein die Tatsachen z.B., dass Harada erst als Sechzehnjährige in der Schule erfuhr, was da eigentlich passiert war und warum ihr Vater und ihr Großvater so rasch gestorben waren, oder dass Hibakusha aus Unwissen diskriminiert wurden, waren schockierend. Und so zeigten die Schülerinnen und Schüler sich im Abschlussgespräch stark beeindruckt von den Erlebnissen Haradas: Kim Wiederhold hob hervor, dass der Aufbau des Projekts durch die theoretischen Informationen in den vorherigen Veranstaltungen und nun die persönlichen Schilderungen fantastisch gewesen sei. Auch Leon Hofmann, der während der Liveschaltung seine Japanischkenntnisse erprobte, war tief berührt und betonte, durch die emotionalen Erfahrungen sei dieses Gespräch das interessanteste aller bisherigen Zeitzeugengespräche an der PDS gewesen. Alle waren sich einig, dass ihnen auch in der aktuellen weltpolitischen Lage sehr klar geworden sei, dass Friede nichts Alltägliches ist und jeder einzelne sich dafür einsetzen müsse.

So freuten sich auch Elke Zipf als Organisatorin und Frau Shiono und Frau Fischer-Raabe als Vertreterinnen von Soka Gakkai, dass ihre Bemühungen auf fruchtbaren Boden gefallen waren.